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DIE HERRENHÄUSER (POSESSIONEN)

 

Die Ritterschaft

Seit dem 13. Jahrhundert stand Binissalem unter wechselnden Herrschaften. Seine Territorien waren im Rahmen einer feudalen Ordnung gutsherrlichen Rechten unterworfen. Dem Hochadel stand die zivile und strafrechtliche Gerichtsbarkeit zu. Die ersten Rittergüter, die später in Erbpacht verkauft wurden, wurden nach der Conquista (1220) verliehen.

Das flächenmäßig größte Gut war Morneta, das von dem Dorf selbst bis zur Gemeinde Lloseta reichte. Es gehörte von 1282 bis in das 18. Jahrhundert der Familie Torrella und danach deren Nachfolgern. Die nächst größere Posession befand sich im Besitz der Dones de Jonqueres, die sich bis an die Grenzen von Robines und Biniagual ausdehnte. Sie ist aus der Stiftung der Baskin de Bearn, der Witwe von Guillem de Montcada, hervorgegangen, die sie 1260 den Nonnen von Santa Maria de Jonqueres schenkte, die 1214 in San Vicenç de Jonqueres (Sabadell) ein Kloster gegründet hatten. Die Posession Na Bauçana stammte von Guillem de Montgrí, dem Küster der Seo de Girona, der sie an die Familie Bauçà verkaufte. 1336 ging sie in den Besitz der Seo über, die bis zur Abschaffung des Rittertums im 19. Jahrhundert Eigentümerin blieb. Zum Schluss bleibt noch ein kleineres Rittergut zu erwähnen: D’en Bestard, oder La Torre, dessen Territorium sich über Binissalem, Alaró, Consell und Santa Maria del Camí verteilte. Es gehörte bis in das 16. Jahrhundert der gleichnamigen Familie und danach verschiedenen Besitzern.

Morneta

Die beiden Landgüter, die wir nun beschreiben, gehören einer eindrucksvollen baulichen Typologie aus dem 17. Jahrhundert an, die in den Steinbrüchen der Gegend ideale Bedingungen vorfand. Besonders schön sind die Fassaden der Gebäude, die ganz in der Tradition der Insel stehen: Verkleidungen von großer Höhe oder Länge mit großen sichtbaren Steinquadern, runde Tore und Flachbögen, verschiedene Balkone und Fenster, usw. Wir führen einige Beispiele an: Son Torrella in Santa Maria del Camí, Solleric und Can Xalet d’Almadrà in Alaró, Bellveure und Morneta in Binissalem. Nicht zu vergessen S’Estorell Vell, eine alte Posession, früher in Binissalem, heute in der Gemeinde Lloseta gelegen.

Das Landgut Morneta besteht aus zwei Abschnitten, die die lange Fassade bilden. Der rechte Teil war der Bewirtschaftung vorbehalten. Aus diesem Grund ist die Mauer sehr massiv und hat nur in den Anbauten Fenster. Wir finden hier einen großen Stall mit Säulen und Kreuzgratgewölbe. Der Haupteingang mit einem Rundbogen besitzt zweifarbige Keilsteine und führt zum Hauseingang mit Bögen, die sich hin zum Innenhof öffnen. Am herrschaftlichen Bereich des Gebäudes fällt die Reihe Balkone auf, die die Asymmetrie der Fassade betonen, wodurch ein eintöniger Eindruckt verhindert wird. Dank der freien Fläche, die sich davor ausdehnt, können wir vom Camino del Raiguer aus dieses bedeutende Gebäude betrachten. Das Landgut, das größte von Binissalem, wurde zwischen 1913 und 1950 erbaut.

Bellveure

Dieses Landhaus am Fuß der Berge, umgeben von Olivenbäumen, macht seinem Namen alle Ehre (schöner Blick). Der Gebäudekomplex besticht durch seine Höhe und die schön gegliederten Flächen: den Innenhof, die Aussichtsterrasse und, unterhalb von dieser, der Garten. Der Innenhof ist der prächtigste der Gemeinde. An seinem Ende befindet sich eine Fassade mit einem Fenster mit gedrücktem Bogen aus dem 15. Jahrhundert. Besonders schön sind die steile gepflasterte Treppe und der Regenwasserkanal, der schräg durch den Garten fließt.

Die Fassade aus Steinquadern erstreckt sich über die ganze Länge. Sie wurde von der Familie Gelabert erbaut, die den Landsitz 1634 von den Nachfolgern der Familie Descós kaufte. Das runde Eingangstor mit einem Balkon auf einem sehr schmalen Sockel befindet sich in der Mitte. Das Portal der Kapelle steht ganz im Zeichen mittelalterlicher Tradition.

Es besitzt einen Spitzbogen und trägt die Initialen JHS mit dem Datum 1640. Im Inneren ist das ursprüngliche Mobiliar erhalten und über dem Altar hängt das Bild der Puríssima des Malers Miquel Bestard (Palma 1592-1633). Der Garten vor dem Gebäude wurde vom Marquise Bastida um 1816 neu angelegt.

Sa Torre: can Morante and can Cabrit

Ihre Entstehung verdanken die Herrenhäuser, die am Camino del Raiguer liegen, Son Manet de la Torre, das im 15. Jahrhundert geteilt wurde. Can Morante besitzt eine überhöhte Struktur und ein Dach mit den spektakulärsten bemalten Ziegeln von ganz Mallorca. Laut J. Busquests und J. Mascaró Passarius: ”... sind sie in besonderer Art mit heterogenen Motiven bemalt und tragen Inschriften in arabischer, gotischer und lateinischer Schrift.“ Das Repertoire ist vielseitig. Lobpreisungen Allahs, Namen alter Besitzer (Pere Morante), Männerköpfe mit verschiedenen Mützen, geometrische und florale Verzierungen, Tiere (Vögel, Drachen, ein Ochse, usw.), ein Totenkopf, ein Galgen mit einem Gehenkten, verschiedene Kreuze, Sterne, das Wappen Mallorcas, usw. Zwei Ziegel tragen Daten: 1541 und 1668. All dies zeigt uns, dass die Struktur zahlreichen Veränderungen unterworfen war. Z.B. weist die Fassade zwei typische Elemente des 17. Jahrhunderts auf: das angrenzende Portal und das Fenster mit Balustrade. Bei all dem ist klar, dass der Teil des Dachs mit den Ziegeln überarbeitet wurde und die Ziegel aus unterschiedlichen Epochen stammen. Dies führt uns vor Augen, dass wir es hier mit einem ethnografischen Schatz zu tun haben. Manche Details sind allerdings rätselhaft. Man könnte z.B. vermuten, dass die arabischen Inschriften von sarazenischen Sklaven angebracht wurden.

Can Cabrit besitzt ein rundes Eingangsportal mit Steinpfosten und eine Steinbank an der Seite. Im Innenhof gibt es im Eingangsbereich einen niedrigen Bogen mit Keilsteinen in verschiedenen Farben und eine Treppe, die in den herrschaftlichen Wohnbereich führt.

Weitere Herrenhäuser

Bei anderen Herrenhäusern finden wir interessante Details: Im Sa Torre can Marc sind im Erdgeschoss Rippenkreuzgewölbe erhalten und, schon fast ein archäologisches Relikt, ein mittelalterliches Portal im hinteren Teil. Ca na Marca besitzt eine traditionelle Fassade, wie sie auch im Dorf oft zu finden ist. Can Macià und Can Pere-Antoni sind zwei Gebäude, die im 19. und 20. Jahrhundert restauriert wurden und durch die Teilung von Son Gorra entstanden sind. Über dem Portal des ersten Gebäudes ist ein barockes Wappen der Familie Bauçà aus dem 18. Jahrhundert angebracht. Alle bisher erwähnten Posessionen befinden sich im Norden der Gemeinde und waren zur damaligen Zeit wichtige Olivenölproduzenten. Aus diesem Grund sind Ölmühlen in unterschiedlichen Zuständen erhalten, bei denen sich die die typischen Einrichtungen finden: Die Speicher, das Mühlwerk, die Pressen, die Verkaufsräume, usw.

Im Süden der Gemeinde gibt es ebenfalls Herrenhäuser: Son Puig, wo ein traditionelles Eingangstor erhalten ist und Sa Cabana d’en Ferrer mit einer untypischen Fassade, denn sie liegt an der Giebelwand des Gebäudes. Die Pressen, die wir draußen vorfinden, zeigen uns, dass wir uns hier in einem Weinanbaugebiet befinden. Am Camino de Muro im Dorf Biniagual finden sich bei den Herrenhäusern Unterkünfte für die Bauern und eine kleine Kirche mit kleinen barocken Altarbildern.

 



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